©theresia heimbach – innere familie 3 – 70×80 – pigmente, acryl, kreiden auf leinwand – 2026
Stell dir vor, du öffnest die Tür zu deiner Wohnküche und da sitzen deine inneren Anteile*** – höchstpersönlich. Sie sind zwar nicht vollzählig aber intensiv in eine hitzige Diskussion verwickelt. Worum geht’s? Natürlich um dich.
Darf denn das wahr sein, bitte nicht! Du reibst dir die Augen, bist schon versucht, dich wieder zu verziehen, doch dann überwiegt die Sorge, dass dieses Gelaber völlig aus den Fugen gerät und in einem heftigen Streit ausartet. Immerhin plädierst du ja für die gewaltfreie Kommunikation. Dieses Grüppchen um deinen Küchentisch hat allerdings noch nie etwas davon gehört.
Du drehst dich wieder um, setzt dich an den Tisch und moderierst. Geduld ist gefordert, denn da lässt der eine die andere nicht ausreden, das Gegenüber fällt ins Wort und die Madam an der Stirnseite haut sogar auf den Tisch. Ja sag einmal, gleich gibt’s eine Beschwerde wegen Ruhestörung. Nein, ernst nehmen darfst du das alles nicht.
Vielleicht hilft im Moment doch nur eine klare Ansage.
Ich bin mir sicher, du kannst das regeln – oder etwa nicht?
***Das sind diese inneren Stimmen, die sich in den unmöglichsten Momenten leise heranpirschen oder auch laut hereinpoltern, überall ihren Senf dazu geben müssen, der zwar gut gemeint aber so absolut nicht zeitgemäß ist. Lang und breit muss man ihnen oft zum hunderttausendsten Mal erklären, dass wir uns bereits im Jahr 2026 befinden, in meinem Fall die 50er Jahre längst vorbei sind.
Auf Ignoranz reagieren sie besonders heftig. So richtig sekkant können sie sein.
Letztendlich hilft nur ein gutes Auskommen, auch die innere Familie ist wie sie ist. Ich weiß wovon ich rede.
Mein Tipp: nehmt es mit Humor.
Nur damit ihr nicht meint, dass ich jetzt völlig spinn: „innere Anteile“ ist ein Begriff aus der Psychologie.
©theresia heimbach – innere familie 1 – 80×90 – pigmente, acryl, kreiden auf leinwand – 2026


Ein ernstes Thema wunderbar humorvoll und spielerisch beschrieben.
Ich kann die Tischgesellschaft bildlich vor mir sehen.
…und wer hat sie nicht, die vielen unterschiedlichen und manchmal lästigen „inneren Anteile“.😉
Liebe Birgit, wie schön, dass du die Tür geöffnet hast:-)